Erotische Träume und warum wir viel mehr schlafen sollten

Die Online-Plattform SHOPAMAN hat ihre Mitglieder zu ihren erotischen Träumen befragt. Ganze 56% hatten dabei schon einmal einen Orgasmus! Wenn wir beeinflussen könnten, was wir träumen – ich bin sicher, wir würden kaum noch aus dem Bett kommen.

Warum wir erotische Träume haben, was sie bedeuten und warum Sex mit einem Fremden im Traum so viel besser ist, habe ich in einem Interview zur Umfrage beantwortet:

Wenn Sie sich die Umfrageergebnisse ansehen, welches Ergebnis überrascht Sie am meisten und warum? Oder sind die Ergebnisse gar nicht so überraschend?

Toll finde ich zuerst einmal, dass ein so hoher Prozentsatz der Befragten so häufig erotische Träume hat. Viele Menschen erinnern sich gar nicht oder nur zum Teil an ihre Träume. Aber umso besser, zählen die so erlebten Gefühle doch zu den schönsten und oft auch intensivsten, die wir haben können.

Bemerkenswert finde ich, dass fast ein Viertel dabei keinen Orgasmus haben möchte. Dahinter kann der Wunsch stecken, diesen nur mit einem Partner zusammen erleben zu wollen. Manche Menschen haben bei erotischen Träumen auch Schuldgefühle ihrem Partner gegenüber. Dahinter steckt die Annahme, dass es im Traum um konkrete sexuelle Wünsche gehe. Wie wir sehen werden, ist dem aber nicht so. Daher besteht kein Grund für ein schlechtes Gewissen!

Warum haben Menschen überhaupt erotische Träume? Was wird darin verarbeitet?

Die Wissenschaft ist sich gar nicht sicher, ob wir überhaupt etwas in unseren Träumen verarbeiten oder ob da nur eine Art Feuerwerk in unseren Gehirnzellen stattfindet und daraus dann erst unsere Träume entstehen. Wenn wir genau hinschauen, merken wir, dass wir nachts oft noch einmal erleben, womit wir uns tagsüber beschäftigt haben, teilweise in sehr fantastischer und kaum noch wiedererkennbarer Form. Und da finden sich natürlich auch erotische Inhalte. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass hinter erotischen Träumen verborgene Wünsche stehen. Die kann man allerdings nicht eins zu eins übersetzen, sondern muss genau hinschauen, welche Hoffnungen, Wünsche und Ängste der Einzelne hat. Vielleicht geht es in einem Traum mit der Ex-Freundin nicht um den Sex an sich sondern um die Intimität, an die wir uns erinnern und die wir uns in der neuen Beziehung wünschen.

Sagt ein erotischer Traum etwas über das tatsächliche Sexleben des Menschen aus?

Denken Sie, dass es einen Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit über das eigene Sexleben und der Häufigkeit erotischer Träume gibt? Haben Leute mit einem weniger zufriedenstellenden Sexleben sogar eher erotische Träume?

Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass wir im Traum unsere täglichen Erlebnisse verarbeiten, dann gibt es einen Zusammenhang zwischen Traum und Sexleben. Und wenn wir ebenfalls davon ausgehen, dass sich in unseren erotischen Träumen Wünsche verbergen, dann auch. Menschen, die sehr offen mit ihrer Sexualität umgehen, viel experimentieren und dabei sehr lustbetont sind, nehmen diese Erlebnisse und vor allem Gefühle auch in ihre Traumwelt mit hinein. Und wenn wir viel intensiven Sex haben, kann es natürlich auch sein, dass wir viel häufiger davon träume als in ruhigen Zeiten.

Anderseits kann ein wenig erfülltes Sexualleben den Wunsch nach eben genau dieser Lebendigkeit wecken und sich im erotischen Traum spiegeln. Wir können aus einem erotischen Traum an sich also nicht schließen, ob wir einen Menschen mit einem erfüllten oder mit einem weniger erfüllten Sexualleben vor uns haben.

Wie wir die Träume bewerten, das sagt allerdings schon etwas aus. Menschen, die eine freie Einstellung zu ihrer Sexualität haben, können ihre erotischen Träume besser genießen. Sie können auch im Wachzustand den Gefühlen nachgehen und sich für ihr Sexualleben inspirieren lassen. Anders ergeht es oft Menschen mit eng gesteckten Moralvorstellungen und mangelnder Offenheit. Da können nächtliche Fantasien schon mal Angst machen.

Der Großteil träumt mit 71% von besonders wildem Sex, nur 33% hingegen vom Kuscheln. Haben erotische Träume eine Romantik-Freie-Zone?

Man müsste hier nachschauen, wie die Verteilung von Männern und Frauen bei der Umfrage ist. Männer träumen in der Regel tatsächlich eher von Sex, Frauen hingegen von Gefühlen, wobei sich Frauen wiederum eher an ihre Träume erinnern. Zudem beschäftigen sich Männer am Tag häufiger als Frauen mit erotischen Fantasien und nehmen diese dann auch in ihre Träume mit. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass der wilde Sextraum zu überwiegen scheint.

Denn es ist genau anders herum. Bei beiden Geschlechtern stehen die intensiven Gefühle im Vordergrund und nicht der sexuelle Akt an sich. Und es sind ja auch eben diese Gefühle, an die wir uns dann den ganzen Tag erinnern und die wir mit den Bildern in unserem Kopf verbinden. Aus der Schlafforschung weiß man, dass sich die Traumszenerie schon beim Aufwachen verändert und unser Bewusstsein aus diffusen Bildern und Gefühlen eine konkrete Erinnerung baut. Träumen ist ein sehr kreativer Prozess und so haben Menschen mit mehr Fantasie anschließend die wilderen Bilder und Geschichten im Kopf.

Bei 49% der Befragten hat ein erotischer Traum schon zu einer sexuellen Inspiration geführt – umgesetzt wurde sie allerdings nicht. Woran könnte das liegen?

Nicht jeder Traum lässt sich umsetzen. Wenn eine Frau zum Beispiel vom Sex mit dem besten Freund oder der Kollegin träumt. Und auch die Masturbation vor Fremden würde in der Realität schnell ihren Reiz verlieren. Diese Träume können jedoch prima als Inspiration dienen. Denn sich vor dem Freund auszuziehen und dann genussvoll selber zu befriedigen, kann gerade zusammen mit den Gefühlen aus dem Traum ein sehr erregendes Erlebnis sein. Und auch der Austausch erotischer Träume kann antörnen.

Bei 56% hat ein erotischer Traum sogar zum Orgasmus geführt. Gibt es Erkenntnisse, die zeigen, dass es im Traum sogar höhere Orgasmus-Wahrscheinlichkeiten gibt?

Das Spannende an den Traum-Orgasmen ist die Tatsache, dass sie im Kopf stattfinden und nicht durch Berührung und Stimulation der Intimzonen. So mancher erwacht aus einem solchen Traum mit den Händen unter dem Kopfkissen. Die Orgasmen finden tatsächlich statt und können zu Ejakulationen, Muskelkontraktionen und wohligem Stöhnen führen. Viele Frauen, die allein oder zusammen mit dem Partner Schwierigkeiten haben, zum Orgasmus zu kommen, berichten von unbeschreiblichen und intensiven Gefühlen. Die Hemmungen und Ängste, die im Wachsein dazu führen, dass gerade Frauen sich oft nicht gehen lassen können, sind im Schlaf ausgeschaltet. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, zum Orgasmus zu kommen, größer. Leider können wir nicht erotische Träume nicht selber beeinflussen oder sie bewusst hervorrufen. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn sonst würden wir zu einer Nation der Schlafenden J

73% der Befragten träumen vom Sex mit einem Fremden. Worin liegt hier der Reiz? Ist es einfacher im Traum Sex mit einem Fremden zu haben?

Ja, auf jeden Fall ist das einfacher. Sex mit einem Fremden hat im Traum einen großen Reiz. Hier können wir unbewusst steuern, was wir zulassen und was nicht. Wir können uns überwältigen lassen, uns hingeben, müssen keine Peinlichkeiten befürchten. Wir geben die Kontrolle nur scheinbar ab. In der Realität haben wir diese Kontrolle nicht. Da kann es schnell passieren, dass der Fremde Grenzen überschreitet oder gar nicht so sexy ist, wie wir uns das wünschen. Das Gleiche gilt in diesem Fall übrigens auch für Tagträume.

Leave a Comment: