Wenn Bluthochdruck die Lust vertreibt

Sexuelle Lustlosigkeit scheint eine Frauendomäne zu sein. Ist sie aber nicht. Auch Männer leiden darunter. Wobei wir von „Leiden“ natürlich erst dann sprechen, wenn wir überhaupt ein Problem mit etwas haben. So ist das ja bei allen sexuellen Funktionsstörungen. Wenn also ein Mann oder eine Frau gar keine sexuellen Kontakte hat und ihm oder ihr das auch nichts ausmacht, dann ist alles in bester Butter. Hätte er oder sie allerdings gern Sex oder würde er oder sie von seiner Partnerin oder seinem Partner dazu ermuntert, wird es schwierig. Wenn er oder sie dann immer noch keine Lust hat, müssen wir schauen, was dahinter steckt. Beziehungsprobleme? Leistungsdruck? Zu viel Stress? Oder vielleicht eine Erkrankung wie Bluthochdruck? Die kommt nämlich gar nicht so selten vor und kann direkte Auswirkungen auf Lust und Libido haben.

Jede/r dritte Deutsche leidet unter Bluthochdruck

Bluthochdruck kann man wohl getrost als Volkskrankheit bezeichnen. Laut der Apotheken-Umschau hat ein Drittel der Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren Bluthochdruck. Aber damit nicht genug. Auch bei zwei Dritteln der als gesund geltenden Erwachsenen befinden sich die Werte knapp unter der Hochdruckgrenze. Und nicht nur das. Fünf Prozent der Kinder und 52 Prozent der männlichen und 26,2 Prozent der weiblichen Jugendlichen sind ebenfalls davon betroffen. Das sollte uns zu denken geben! Einige der Ursachen sind schnell ausgemacht: Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel, chronischer Stress und die übertriebene Verwendung von Salz. Vererbung könnte beim Bluthochdruck ebenfalls eine Rolle spielen.

Weitere Ursachen sind noch in der Erforschung. Ok, Kinder rauchen nicht. Dafür ist jedes Fünfte übergewichtig. Ich habe Familien kennengelernt, bei denen Kartoffelchips als vollwertige Mahlzeit durchgehen. Und diese enthalten sehr viel Salz. Jugendliche wiederum sind fröhliche Shisha-Konsument*innen. Ich habe noch nicht herausgefunden, was genau daran so toll ist. Vielleicht ist es die Gesellschaft, in der sie sich dabei befinden. Wasserpfeifen schädigen jedoch die Gefäße genau wie Zigaretten. Vielleicht gibt es hier ja einen Zusammenhang. Warnen wir nur vor allgemeinen gesundheitlichen Gefahren, wird das mit einer Handbewegung abgetan. Klar, das machen die Erwachsenen auch. Zeigen wir jedoch einen Zusammenhang zu Liebe, Lust und Leidenschaft auf, könnte das schon eher für Interesse sorgen. Auch bei den Erwachsenen. Packen wir sie also bei der Erektion….

Warum kann Bluthochdruck zu sexuellen Problemen führen?

Nun könnte man meinen, Bluthochdruck führe doch geradezu dazu, dass wir vor Lust nur so strotzen. Alles Blut in die Zellen gepumpt und schon haben wir die beste Erektion und die heißeste Vulva. Pustekuchen. Es ist genau andersherum. Durch den hohen Druck, mit dem das Blut durch die Adern gepumpt wird, bilden sich vermehrt Ablagerungen und Kalk in den Gefäßen (Arteriosklerose). Der Widerstand steigt, das Herz muss noch mehr pumpen. Das Blut gelangt nicht mehr in ausreichender Menge in den Penis. Aber ups, Blut brauchen wir jedoch für die Erektion! Genau. Und da schließt sich auch schon der Kreis.

Denn hat der Penis aufgrund des Bluthochdrucks erst einmal seinen Dienst versagt, steigt die Angst, dass dies beim nächsten Mal wieder geschehen könnte. Angst wiederum steigert die Anspannung in Körper, Geist und Seele und kann die nächste Erektion genau dadurch verhindern. Stress wiederum kann Bluthochdruck erzeugen. Schwupps, haben wir einen Teufelskreis und können Ursache und Wirkung kaum noch unterscheiden. Es geht dabei jedoch nicht nur um den Mann. Auch die Vagina wird bei Erregung kräftiger durchblutet und dadurch feucht. Klappt das nicht mehr so richtig, können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die Folge sein. Und Schmerzen wirken nur selten lustfördernd. Wieder so ein Teufelskreis. Nicht nur der Bluthochdruck selber kann zu Problemen führen, sondern auch die Medikamente dagegen. Das sollte unbedingt mit dem Arzt oder der Ärztin abgeklärt werden.

Was also tun? Wir lassen den Blutdruck messen und schauen uns gegebenenfalls die einzunehmenden Medikamente noch einmal genau an. Vorsorglich werfen wir einen Blick auf unsere Lebensweise und überlegen, an welchen Stellen wir die Schrauben drehen können. Wie sieht es mit Bewegung aus? Weniger Salz verwenden? Mit dem Rauchen aufhören? Was macht der Alkoholkonsum? Ich fange direkt damit an, schütte gleich mein Glas Rotwein weg und gehe noch schnell zum Sport.

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1 comment
Giugliana Santos says 6 months ago

Vielen Dank für den Artikel, hab auch Bluthochdruck, noch Gott sei Dank die von Ihnen beschriebenen Probleme Nicht. Meine Vielzahl von Problemen, die ursächlich für den Bluthochdruck verantwortlich sind und sich leider nicht mal eben abstellen lassen (da haben wir den Teufelskreis, leibhaftig) , reichen allerdings 😉

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